Der kleine geschichtliche Abriss umfasst die Epochen: Mittelalter, Reformation, 19. Jahrhundert und 20. Jahrhundert
Wenn Sie auf dieser Seite nicht alle gewünschten Informationen finden oder Fragen zur Familienforschung haben, können Sie sich gerne an den Historiker unserer Kirchengemeinde Dieter Sommerfeld wenden.
Mittelalter
Das genaue Entstehungsdatum der Siedlung ist nicht zu ermitteln.
Erste Erwähnung geschieht dem Ort ziemlich spät: Im
Jahre 1131 bestätigte Papst Innozenz II. dem Bonner Cassiusstift
dessen Besitzungen und Rechte, darunter den Hof und die Kirche
und den ganzen Zehnt zu Birnbach",Curtim Berenbach et ecclesiam
cum tota decima". Als Grundherr unterhielt das Stift ein
Hofesgericht, das jährlich unter dem Hofschultheiß
tagte, der die Hofleute zusammenrief und in Eid und Pflicht nahm.
Ort und Kirchspiel müssen indessen ursprünglich im Besitz
der Grafen von Neuenahr gelegen haben, da diese im Jahr 1298 "Berenbach"
an den Grafen Johann I. von Sayn verkauften. Das Bonner Cassiusstift
verpachtete 1558 den Saynern seine Zehntrechte im Kirchspiel Birnbach
für jährlich 160 oberländische Gulden.
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Reformation
Drei Jahre später (1561) führte der Landesherr, Graf
Adolf von Sayn-Hachenburg, das lutherische Bekenntnis ein. Der
kirchliche Besitz ging an die Protestanten über. Wie sich
der Übergang im einzelnen vollzog, entzieht sich unserer
Kenntnis. Trat der amtierende kath. Pfarrer zur neuen Lehre über
oder wurde er seines Amtes enthoben? Jedenfalls wurden in der
Birnbacher Kirche die Gottesdienste nach der neuen Regel gehalten,
d.h. in deutscher Sprache und das Abendmahl in zweierlei Gestalten.
1605 übernahm Graf Wilhelm von Sayn-Wittgenstein die Landesherrschaft.
Er griff sofort erneut ins kirchliche Leben ein, indem er den
Befehl erließ, dass alle Untertanen mit sofortiger
Wirkung die Lehre Calvins anzunehmen hätten. Kompromisslos
ging er gegen die lutherischen Pfarrer vor, die sich dem widersetzten.
Alle, die sich weigerten, den reformierten Glauben anzunehmen,
wurden bestraft, verfolgt und schließlich des Landes verwiesen.
Auch der Birnbacher Pfarrer Valentin Aparius (Bieremann) wurde
vertrieben. Das Gotteshaus wurde "gesäubert": Altar,
Taufstein, Bilder und Skulpturen, alles wurde bei diesem "Bildersturm"
entfernt und zerstört. Es blieb eine geplünderte Kirche
zurück, die noch heute ihre alten Kunstgegenstände entbehrt.
Im Jahre 1652 wurde die Grafschaft Sayn in Sayn-Altenkirchen und
Sayn-Hachenburg geteilt. Birnbach fiel an den hachenburgischen
Teil, der im Erbgang an die Erbtochter Ernestine gelangt war.
Sie war verheiratet mit dem Grafen Salentin Ernst von Manderscheid-Blankenheim.
Da dieser aus katholischem Haus stammte, wurden die strengen Bestimmungen
des Calvinismus gelockert, ohne dass es zu einer "Gegenreformation"
gekommen wäre, obwohl der Blankenheimer Graf 1662 von Kurköln
mit dem Kirchspiel belehnt wurde. Nach Salentins Tod übernahm
dessen Tochter Anna Luise das Birnbacher Kirchspiel als Heiratsgut,
das damit aus der Grafschaft heraus fiel. Als diese 1692 starb,
traten ihre Schwestern die Erbschaft an, u.a. die Burggräfin
Magdalena Christiane von Kirchberg, über die dann
Birnbach 1714 wieder mit Sayn-Hachenburg vereinigt wurde. Bis
zum Wiener Kongress blieb Birnbach unter der saynschen Landeshoheit
und bei der calvinischen Lehre, die, wie bereits angedeutet, ihre
Strenge gelockert hatte. So konnte 1775 für die Birnbacher
Kirche eine Orgel beschafft und im Gotteshaus aufgebaut werden.
Um 1600 wäre das unmöglich gewesen, da in jener Zeit
die Orgel als das besondere Werk des Teufels verschrien war. 1805
wurde sogar eine zweite, größere Orgel gekauft, da
die erste bereits untauglich geworden war.
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19. Jahrhundert
1815 hat das Königreich Preußen die Nachfolgerin der
Landesherrschaft angetreten. Unter dessen Einfluss wurde
1820 die unierte evangelische Kirche gegründet, eine Vereinigung
des lutherischen und reformierten Bekenntnisses. Seit dieser Zeit
haben dann ohne Unterbrechung bis heute unierte Pfarrer die Gemeinde
geführt.
1825 erwarb die Birnbacher Kirchengemeinde eine wertvolle Bibel. Sie wurde 1727 in Basel gedruckt und gelangte zunächst in den Besitz der Kirchengemeinde von Hilgenroth. Der Birnbacher Pastor Christoph Gottlieb Schmidtborn hat sie den Hilgenrothern am 23. November 1825 für 4 Taler und 24 Silbergroschen abgekauft.
Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts traf die Kirche zu Birnbach
ein harter Schlag. 1892 schlug am 22. Juni der Blitz in den Kirchturm
ein, zerstörte einen Teil des Daches und Mauerwerks und beschädigte
auch den Westteil des Langschiffes. Der ohnehin baufällige
Turm musste niedergelegt, die dadurch geöffnete Westseite
des dreischiffigen Langhauses provisorisch geschlossen werden.
Der just zu dieser Zeit nach Birnbach versetzte Pastor Leibnick musste während der Aufräumungsarbeiten seinen Einführungsgottesdienst
im Freien unter den Bäumen des Pfarrgartens halten. Er hat
mit Mut und Engagement die notwendigen Kirchbauarbeiten betrieben
und die Finanzierung gesichert. Dazu wurden alle verwertbaren
Teile des Turmes, Blei, Eisen, Nutzholz, Brandholz, Steine usw.,
versteigert, Hauskollekten durchgeführt und großherzige
Spender gesucht. Und der nimmermüde Pastor fand in der Tat
einen eifrigen Förderer und Gönner, nämlich den
aus dem Kirchspiel stammenden Landtagsabgeordneten und Fabrikanten
Emil Weyerbusch aus Elberfeld. Seine Bemühungen und hohen
Spenden ermöglichten einen umfassenden Wiederaufbau und Erweiterungsbau
in den folgenden Jahren: Das Langhaus wurde auf fünf Joche
nach Westen hin erweitert und der Turm in der ursprünglichen
Form wieder aufgebaut. 1899 wurde bei Gelegenheit dieser Bauarbeiten
das gesamte Mauerwerk überholt, die Werksteinfassungen wo
nötig erneuert, der alte Putz heruntergenommen und der Bruchsteincharakter
sichtbar gemacht. Am 28. Oktober 1900 konnte in einem Festakt
der Bau wieder seiner Bestimmung als Gotteshaus übergeben
werden. Damals schickte die Deutsche Kaiserin und Königin
von Preußen, Auguste Viktoria, eine kostbare Bibel, die
ihre eigenhändige Widmung trägt.
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20. Jahrhundert
1931 sorgte in seinem letzten Amtsjahr Pfarrer Leibnick noch dafür,
dass die alte, aus dem Jahr 1512 stammende, nun aber beschädigte
Glocke umgegossen wurde.
Zwei Jahre später griff das NS-Regime ins kirchliche Leben ein. Es wollte die Bewegung der "Deutschen Christen", einer von der NSDAP gesteuerten Vereinigung "Nationalsozialistischer Christen", in der Gemeinde wirksam werden lassen. Dagegen setzte sich die Birnbacher Kirchengemeinde unter ihrem Pfarrer Schareina entschieden zur Wehr. Sie versagte ebenso der HJ (Hitlerjugend) die Mitbenutzung des Gemeindehauses.
1942 wurden zwei Glocken des dreistimmigen Geläutes eingezogen,
von denen nur eine nach dem Krieg zurückkehrte. 1944 sollten
auch die Orgelpfeifen abgeliefert werden. Diesmal konnte sich
die Gemeinde mit Erfolg verteidigen. Als im Frühjahr 1945
die Front näher rückte, trug der Krieg harte Not ins
Kirchspiel. Durch Bombardierung und Beschuss entstanden schlimme
Schäden; es gab Tote und Verwundete und Beschädigungen
an Häusern und Bauten. Auch die Kirche wurde getroffen; Mauerwerk,
Fenster, Türen, ganze Bankreihen wurden zertrümmert.
Nach dem Kriege wurden die Schäden schnell, aber weniger
gründlich beseitigt. Erst zu Beginn der 70er Jahre konnte
man eine umfassende Restaurierung in Angriff nehmen. Damals hat
die Gemeinde viel Eigenarbeit geleistet, reiche Spenden zusammengebracht
und viel Mühe und Liebe ins gemeinsame Werk investiert. Und
das Werk ist gelungen: Am 8. April 1973 konnte im renovierten
Gotteshaus der erste feierliche Gottesdienst stattfinden. Im Jahre 2000 wurde die Kirche erneut renoviert und dabei die gestalterischen Einflüsse der zurückliegenden Jahrhunderte in eine Linie gebracht. Heute können sowohl die schlicht cremfarben gehaltenen Wände als auch die auf Pfeiler und Rundbögen aufgetragenen Steinmalereien bewundert werden.
Seit der Erweiterung um die Jahrhundertwende gilt das Birnbacher
Gotteshaus als der größte Westerwälder Kirchenbau
dieser Art.
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