Da die Bewohner von Birnbach es stets mit einer guten Orgel gehalten
haben, steht auf der Empore zur Südwestseite hin ein Orgel
der Firma Beckerath, die 1985 dort in installiert worden ist.
Sie haben durch die Jahrbunderte um eine solche gekämpft
und manche Opfer dafür auf sich genommen. Nach dem ersten
Orgelverbot der calvinischen Reform schien der Wunsch nach einer
Orgel aussichtslos. Als aber im Laufe der Zeit die Strenge verflachte,
konnten die Birnbacher unter Pastor Schindeler 1775 ihre erste
Orgel erwerben. Aber gegen 1800 war sie bereits nicht mehr funktionstüchtig.
Darum wurde um 1815 eine neue Orgel beschafft. Diese hielt ganze
hundert Jahre durch. In Verbindung mit der großen Renovierung
um 1900 wurde das dritte Orgelwerk installiert. 1985 wurde dann
unter Verwendung des alten Prospektes die Letzte große Orgel
durch die Firma Rudolf von Beckerath aus Hamburg aufgebaut. Sie
fand auf der geräumigen Orgelbühne einen würdigen
Platz. 1995 ist eine neue Beschallungsanlage installiert worden,
so dass es jetzt auch möglich ist, über eine Induktionsschleife
das Evangelium zu hören.
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Mit der Übernahme der Orgel vom weltlichen in den kirchlichen Raum beginnt eine Entwicklung des Instruments, deren klanglicher Höhepunkt mit Orgelbauern wie Arp Schnitger, Gottfried Silbermann, Philipp und Heinrich Stumm und Josef Gabler im 18. Jahrhundert erreicht ist, also in der Zeit, in der auch die polyphone, der Orgel in besonderer Weise entsprechende Kompositionsweise mit Johann Sebastian Bach ihren Höhepunkt erreicht. Jedes Register hatte seine charakteristische Klangfarbe, wodurch die Linie jeder Stimme deutlich zu hören war. Im 19. Jahrhundert wurde der symphonische Orchesterklang auch als Ideal für die Orgel angesehen. Der Klangfarbenreichtum weicht zu Gunsten von Möglichkeiten der dynamischen Differenzierung (d.h. der Veränderung der Lautstärke). Die weitere Entwicklung des Instruments liegt weniger im klanglichen, als im technischen Bereich. So wird z.B. der Schwellkasten erfunden: ein Teil der Pfeifen steht in einem geschlossenen Gehäuse, dessen Vorderwand jalousieartig zerteilt ist. Durch einen Schwelltritt im Spieltisch könne die Jalousien vom Spieler mit dem Fuß geöffnet und geschlossen werden wodurch die Lautstärke ohne Registerwechsel fein abgestuft verändert wird.
Dem Wunsch der Romantik nach vollgriffigem, akkordischem Spiel auf der Orgel entsprach eine neue Bauweise der Traktur (d.h. des Weges von der Taste zur Pfeife, damit diese durch den Tastendruck zum Klingen gebracht werden kann). Die bis dahin bekannte, aber auch heute wieder mit Vorliebe gebaute mechanische Traktur verwendet schmale hölzerne Leisten oder Drähte, die über Winkel und Wellen von der Taste zur Windlade führen. Je mehr Töne gleichzeitig gespielt werden, umso mehr Kraft muß der Spieler aufwenden. So war die pneumatische Traktur, die auch beim Orgelneubau in der Birnbacher Kirche im Jahr 1900 verwendet wurde, eine geniale Erfindung, da bei ihr der Tastendruck viel geringer ist.
Sie hat jedoch, wie meist auch die in diesem Jahrhundert entwickelte elektropneumatische Traktur, gewisse Nachteile gegenüber der mechanischen Traktur: Der Spieler kann durch die Art des Anschlages das Öffnen des Pfeifenventiles nicht beeinflussen, es öffnet sich mit Verzögerung.
Vor allem aber ist die pneumatische Traktur störanfälliger und weniger dauerhaft. Von Bedeutung ist die elektrische Traktur aber auch heute noch für manche Spielhilfen, z.B. bei den Registern.
Die neue Orgel in der Kirche zu Birnbach hat eine mechanische Spieltraktur und eine mechanische Registertraktur. Ihre 19 Register verteilen sich auf drei Werke: das Hauptwerk, das Schwellwerk und das Pedalwerk. Sie werden gespielt von zwei Manualen und einer Pedalklaviatur. Blickt man vom Kirchenschiff zur Orgelempore hinauf sieht man im Prospekt, (der über 300 Jahre alten Orgelfassade) nur 45 Pfeifen. Sie gehören zum Grundregister des Hauptwerkes, dem Prinzipal 8'. Unmittelbar dahinter stehen in geordnetem »Durcheinander« die anderen Pfeifen des Hauptwerks. Weiter zurück befindet sich das Pedalwerk und darüber das Schwellwerk, letzteres in einem geschlossenen Gehäuse, dessen Vorderfront aus beweglichen Jalousien besteht. Diese können vom Chorraum der Kirche aus gesehen werden. Insgesamt hat die Orgel 1240 Pfeifen, deren längste 2,40 m lang und etwa 18 kg schwer ist und deren kürzeste nur 10 mm Länge misst. Man unterscheidet von der Klangerzeugung her zwei Pfeifengruppen: die Lippenpfeifen, zu denen die Prinzipale und Flötenregister gehören, und die schnarrenden Zungenpfeifen. Die Birnbacher Orgel hat zwei Zungenregister: das Cromorne im Schwellwerk und das Fagott im Pedal. Die Pfeifen wurden aus verschiedenen Hölzern, bzw. einer Legierung aus Zinn und Blei hergestellt. Je nach gewünschtem Klang sind die Pfeifen zylindrisch oder konisch geformt, oben offen oder gedeckt. Bei den Lippenpfeifen ist die Länge für die Tonhöhe ausschlaggebend. Sie wird nach alter Maßeinheit in »Fuß« (30 cm) benannt (z.B. 8' = 8 Fuß = 2,40 m, bezogen auf die tiefste Pfeife des Registers).
Was aber ist ein Register? Zu einem Register gehören die Pfeifen gleicher Bauart und somit gleicher Klangfarbe, und zwar zu jeder Taste, also in jeder Tonhöhe eine Pfeife.
Die Pfeifen eines Register stehen in einer Reihe nebeneinander. Durch das Ziehen des entsprechenden Registerzuges im Spieltisch wird der Weg für die Luft von der Windlade zu denjenigen Pfeifen freigegeben, deren zugehörige Taste gedrückt wird. Die eigenartig klingenden Namen der Register sind im Orgelbau traditionell. Sie beschreiben teilweise den Klang alter Musikinstrumente (s. Disposition). Jedes Register kann für sich alleine gespielt werden oder mit anderen zusammen, wobei dann bei jedem Ton, der gespielt wird, so viele Pfeifen erklingen, wie Register gezogen sind. Nur bei der Mixtur im Hauptwerk und dem Scharf im Schwellwerk - der Scharf bildet die Klangkrone der Orgel - erklingen zugleich mehrere Pfeifen.
Eine Pfeife erklingt, wenn Luft in sie geblasen wird. Unterhalb der Pfeifen ist ein Hohlraum, die Windlade. Die Luft in der Windlade steht unter Druck, so dass sie, sobald der Weg in die Pfeife durch Ziehen eines Registers und Drücken einer Taste freigegeben wird, in die Pfeife strömt. Der Luftdruck wird erzeugt durch ein elektrisches Gebläse, das zusammen mit einem großen Magazinbalg, in dem der Druck durch Bar aufliegende Gewichte konstant gehalten wird, hinter der Orgel steht. Von dort führen Windkanäle zu den Windladen. Früher wurde ein Blasebalg durch regelmäßiges Treten des Kalkanten betätigt. Die Vorrichtung hierfür war bei der alten Orgel noch vorhanden.
Die neue Orgel in der
Birnbacher Kirche folgt in Aufbau, Technik und klanglicher Konzeption den
Prinzipien der Orgelbaukunst des 17. und 18. Jahrhunderts; doch lässt sich auf
ihr die Orgelmusik aller Epochen spielen. Sie ist somit ein Instrument unserer
Zeit, auf dem in vielfältiger Weise musiziert werden kann.
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Hauptwerk C - g"' Prinzipal 8' Rohrflöte 8' Oktave 4' Gemshorn 4' Nasat 2 213' Oktave 2' Terz 13/5' Mixtur 4f. 1 1/3 Tremulant
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Schwellwerk C - g"' Gedackt 8' Prinzipal 4' Blockflöte 4' Flöte 2' Quinte 1 1/3' Scharf 3f. 2/3' Cromorne 8' Tremulant
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Pedal C - f' Subbaß 16' Offenbaß 8' Choralbaß 4' Fagott 16' Normalkoppeln als Tritte
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Erbauer: Rudolf von Beckerath, Orgelbau GmbH, Hamburg
Disposition: Timm Sckopp, Elisabeth Schubarth
Mensuren: Timm Sckopp
Montage: Klaus Schmekal, Matthias Wohlfeld
Intonation: Hans-Ulrich Erbslöh, Rotraut Gatzsche
Orgelprospekt im Jahre 1660 von unbekanntem Orgelbaumeister für die evangelische Kirche in Neunkirchen, Kreis Siegen, erstellt, seit 1775 in der Kirche zu Birnbach.