Ein lieber Mensch ist gestorben.
Das erschreckt uns. Dem können wir uns gar nicht entziehen.
Die Endgültigkeit des Todes macht uns hilflos. Eben noch war uns jemand nah. Jetzt bleibt dieser Platz für immer leer.
Der Tod nimmt Menschen von uns, die uns lieb sind, und führt uns vor Augen, dass wir vergänglich sind.
Selbst wenn sich der Tod lange vorher angekündigt hat, zum Beispiel durch eine schwere Krankheit, erleben wir das dann doch als „plötzlich“.
Man ist hin- und hergerissen… Einerseits kann man das noch gar nicht richtig begreifen. Und andererseits muss man damit umgehen. Dinge regeln. Sie beerdigen. Mit dem Tod umgehen.

Ich finde das wichtig, diesen Gefühlen von Hilflosigkeit, Traurigkeit oder auch Zorn Raum zu geben. Wenn wir jemanden „gehen lassen“ müssen, dürfen wir uns auch selbst ein Stück weit „gehen lassen“ und Gefühle wie Angst und Trauer zeigen.
Wobei: Jemanden „loslassen“… „weggeben“… Das können wir gar nicht. Und das wollen wir auch nicht.
Keiner und Keine von uns kann einen Menschen „loslassen“. – Wir sagen das zwar oft, aber es stimmt gar nicht wirklich. Wir können keinen Menschen loslassen, aber unsere Beziehung zu diesem Menschen muss sich verändern.
Sie findet nicht länger im Natürlichen… im Körperlichen… im Äußerlichen statt.
Sie findet immer mehr in unserem Inneren statt.

Ein lieber Mensch ist gestorben.
Das erschreckt uns. Das macht uns traurig. Das verlangt von uns nötige Veränderungen. Das strengt an. Und: das stellt uns Fragen.
Was ist jetzt mit unseren Gestorbenen ? Woher kommen wir – und wohin gehen wir ?

Unser Glaube antwortet darauf: Wir gehören allein Gott. Im Leben und im Sterben sind und bleiben wir in seiner Hand. Vor unserem geschenkten irdischen Leben, während unserer geschenkten Lebenszeit und danach.
Wir gehören allein Gott. Dass Christus auferstanden ist, und dass der Tod ihn nicht halten konnte, ist uns dafür Gewähr.

So verstehe ich das, wenn Paulus an die Christen in Rom schreibt:
Denn unser keiner lebt sich selber, und keiner stirbt sich selber. Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. Denn dazu ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden, dass er über Tote und Lebende Herr sei. ( Rm 14, 7-9 )

Nein, unser Leben gehört nicht dem Tod, betont Paulus.
Im Leben und im Tod in Gottes Hand. Im Leben und nach dem Leben in Gottes Hand. Oder wie es der Erlanger Theologieprofessor Paul Althaus seiner Frau vor dem Tod gesagt haben soll: Sterben, das ist nichts anderes als das Gleiten von einer Hand Gottes in die andere.
Also durchaus ein Übergang, etwas ganz Neues und Anderes. Aber wir bleiben dort, wir bleiben bei dem, wo wir schon immer waren.
Aus Gottes Hand kommt unser Leben, und in Gottes Hand kehrt es zurück.

In Anfechtung gehalten, Ihr Pfr. Stefan Turk