Ständig beschäftigt uns das mit dem Bauen.
Oder Ausbessern. Oder Renovieren. Oder Reparieren.
Lampen in Weyerbusch. Stromanschlüsse in Birnbach.
Defekte Kirchendachabdeckungen, weil es gestürmt hat.
Glasornamente, deren Betoneinfassungen saniert werden müssen.
Es nimmt kein Ende.

Und immer wieder frage ich mich zwischendurch:
lenkt uns das nicht von Irgendetwas ab ?
Klar, das ist Alles dringend und eilig.
– Ist es aber auch wichtig ?
Und wenn ja, unter welcher Bedingung ?

Mir fällt dazu eine biblische „Bau-Geschichte“ ein.
Sie ist zu finden in Markus 2…

In der Geschichte geht`s nicht um `ne Kirche,
auch nicht um ein Gemeindezentrum, sondern um
so ein kleines Fischerhäuschen.
Tisch und Stuhl und Feuerstelle.
Sonst nichts.

AberLeute. Ganz viele Leute.
Der einzige Raum, die >Wohnwaschschlafküche<
war proppenvoll.
Seit Jesus im Haus mitwohnte, war aus der
Fischerhütte doch `ne Kirche geworden.

Jesus steht da in der Hüttenkirche und predigt.

Da kommt`s plötzlich zu einer Gottesdienststörung,
wie ich sie noch nie erlebt habe – und bitte
so auch nicht erleben möchte…

Jesus steht da in der Hütte und predigt.
Wie immer – über sein Lieblingsthema: das Reich Gottes.
„Ich sage euch: das Reich Gottes ist nahe gekommen.“
Auf dem Dach: Raschel, Raschel.
Die Öllampen an der Decke wackeln.
Die Decke kriegt erste Risse…

Jesus hebt die Arme hoch: „Erhebt eure Augen und seht!“

An der Zimmerdecke: Ritze-Ratze.
Kalk rieselt auf die andächtigen Häupter.
Ein großes Stück Decke wird weggehoben.

Jesus predigt weiter: „Der Himmel steht euch offen.“
Rums, fliegt `ne Ladung Lehm `runter
und man sieht wirklich den freien Himmel.

Jesus ist fertig mit seiner Predigt und spricht den Segen:
„Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch.“
– Und in der Dachluke ist das bärtige Gesicht
von einem auf dem Dach zu sehen…

Und dann… Dann wird auf einmal eine Matratze
nach unten abgeseilt und ein Mann schwebt Jesus
mitsamt seiner Matte direkt in die Arme.

Einer ist weiß vor Schreck und Kalk und ruft:
„So eine Unverschämtheit! Das ist Sachbeschädigung!
Wer repariert mir den Dachschaden?“

Ein anderer klopft sich den Staub von den Schultern und ruft:
„Das ist Hausfriedensbruch! Schmeißt die Kerle raus,
die uns das Dach kaputtmachen!“

Einer reibt sich seine Beule und schreit:
„Das ist Körperverletzung! Wer verbindet mir meinen Kopf?“

Ein Nachbar schreit: „Das ist Ruhestörung!“

Jesus sieht nach oben – und sagt: „Falsch. Das ist Glaube.“

Glaube.
Jesus sieht nicht das kaputte Dach und nicht den
gebrochenen Frieden und nicht den verbeulten
Kopf und auch nicht die gestörte Ruhe.
Jesus sieht Glauben.
Noch nicht `mal die Unverschämtheit.
Nur unverschämten Glauben, der sich `was traut.

Glaube.
Da geht`s um Glauben, der sich `was traut.
Glaube, der sich was traut, einem anderen den
Dachschaden zumutet und dafür Kosten in Kauf nimmt.

Vier waren es.
Vier Leute haben solchen Glauben riskiert.

Hans-Jürgen „Johnny“ Jaworski, ehemaliger
Ruhrgebietspfarrer mit Ruhrgebietsherz,
hat dazu einmal geschrieben:

Türen eintreten
Wände durchbrechen
Dächer abdecken
um Menschen zu Jesus
zu bringen

Gemeindeaufbau
braucht Abbruchkommandos

Was mir daran gut gefällt, ist die Betonung:

Aller Abbruch, Umbruch, Aufbruch geschieht nur
aus einem Grund, nämlich um Menschen zu Jesus zu bringen.

Wenn das so ist, dann macht das hier richtig Sinn !
Das mit dem Bauen. Oder Ausbessern.
Oder Renovieren. Oder Reparieren.
Das macht Sinn.
Das macht Sinn, wenn es letztlich dazu dient,
Menschen zu Jesus zu bringen.

Letztlich machen wir damit im Kleinen nichts
anderes als unser Gott im Grossen tut.
Letztlich nehmen wir damit Anteil an Gottes
Gemeindeaufbauprogramm.