Sagen Sie ‚mal: wann hatten Sie eigentlich das letzte Mal „ihre“ Bibel in der Hand ?

Wie emnid Mitte 2016 für das evangelische Magazin „chrismon“ ermittelte, besitzen 70 Prozent der Deutschen eine Bibel. Übrigens dicht gefolgt von den Grimm`schen Märchen ( 64%) und den „Harry-Potter-Romanen“ ( 37%).
Und während im Westen der Bundesrepublik 73 % der Befragten eine Bibel im Regal stehen haben, sind es im Osten nur 53%. Befragt wurden 1.001 Frauen und Männer.
Nun sagt der Befund, ob ich im Regal eine Bibelausgabe stehen habe oder nicht, leider nichts über meinen Gebrauch der Bibel aus und schon gar nichts, wie ich über ihren Inhalt denke.
Eine andere, nämlich Allensbacher Studie, brachte zutage, dass nur 4% der Deutschen noch „häufig“ in der Bibel lesen. 9 % wenigstens noch „hin und wieder“. 25% tun es selten. Und der Rest – 62%- nie!

Wie schrieb seinerzeit schon Martin Luther an den Abt zu St. Ilgen in Nürnberg 1530 ?

„Nun ist freilich der größten Plagen eine auf Erden, dass die Heilige Schrift so verachtet ist… Die Heilige Schrift lässt man liegen, als bedürfe man ihrer nicht.“

– Und betont dann doch:

Es „sind ja doch nicht Leseworte, wie sie meinen, sondern eitel Lebensworte darin, die nicht zum Spekulieren und hoch zum Dichten, sondern zum Leben und Tun geschrieben sind.“

Lebeworte statt Leseworte…
Ein anderer, nämlich Nikolaus Graf von Zinzendorf ( 1700 – 1760 ), war sein Leben lang – sehr erfinderisch – bemüht, seinen Mitmenschen das Bibelwort nahe zu bringen.
So erfinderisch war der Gründer der Herrenhuter Brüdergemein(d)e, dass er 1732 sogar die Losungen „erfand“, – heute weitergetragen und in mehr als 50 Sprachen übersetzt. Aber auch eine erschwingliche Ausgabe der Lutherbibel gab er in Auftrag. Oder entwickelte in späteren Jahren thematische Bibellektionen zum eigenen Studium und zur Lektüre.
Dass die Gemeinde aus der Schrift lebt, weil in ihr Gottes Wort Wurzeln geschlagen hat, das war Zinzendorfs Hoffnung. Dass die Gemeinde selber so von Gottes Wort durchdrungen wird, dass sie selbst zur „lebendigen Bibel“ würde.

Dieser Hoffnung hat er früh bereits in einem seiner Lieder Ausdruck verliehen – es steht in unserem Gesangbuch und wir singen es häufig in unseren Gottesdiensten, eg 198:

„Herr, dein Wort, die edle Gabe, diesen Schatz…( – bei Zinzendorf heißt es hier noch wörtlich: „dieses Gold“ -)…
„Herr, dein Wort, die edle Gabe, dieses Gold erhalte mir, denn ich setz es aller Habe und dem größten Reichtum für. Wenn dein Wort nicht mehr soll gelten, worauf soll der Glaube ruhn? Mir ist`s nicht um tausend Welten, aber um dies Wort zu tun.“

Der statistische Befund, ob ich im Regal eine Bibelausgabe stehen habe oder nicht, sagt leider nichts über meinen Gebrauch der Bibel aus und schon gar nichts, wie ich über ihren Inhalt denke.

Für Zinzendorf war das Bibelwort „Gold“, ein „Schatz“. Kostbarer als „tausend Welten“.

Sagen Sie `mal: wann hatten Sie eigentlich das letzte Mal „ihre“ Bibel in der Hand ? – Es könnte sich lohnen…

Meint Stefan Turk, Pfr.

P.S.: Herzliche Einladung zum neuen Bibelgesprächskreis !
In ( zunächst ) vierwöchigem Rhythmus treffen wir uns jeweils am letzten Montag im Monat gegen 19 Uhr im GMZ Weyerbusch, um einen Bibelabschnitt gemeinsam zu lesen und das im Gespräch mit unserem Alltag in Verbindung zu bringen. Wir beginnen mit Textabschnitten aus dem Markusevangelium. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich !